Hütten im Herzen

Meine erste Videoreportage

Diese Reportage ist aus meiner Liebe zum Ferienspass entstanden, und meinem Bedürfnis diesen ganz besonderen Moment in der Zeitgeschichte meiner ehemals so großen Kleinstadtwelt festzuhalten – die größte ehrenamtliche Ferienbetreuung Deutschlands musste letztes Jahr zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor fast 50 Jahren ein Jahr aussetzen. Und dieses Jahr darf sie wieder stattfinden – unter Corona Bedingungen und mit Hygienekonzept. 

Uff. Das war mal wieder ein Projekt dass echt viel Energie gekostet hat. Wer hätte gedacht dass ein Dreh so anstrengend ist? (Jeder. Jeder hat mir das mir gesagt.)

Aber es war auch total schön. Meine Idee, diesen Sommer das schöne mit dem Nützlichen zu verbinden ist aufgegangen: Endlich konnte ich mal wieder beim Ferienspass mitmachen. Sei 2016 bin ich Betreuerin im Ferienspass gewesen, nur die letzten beiden Jahre musste ich aussetzen. Erst das Studium, dass mich voll einspannte, dann Corona. Dann fand er wieder statt, trotz Corona. Und ich saß bei mir zuhause, und war in der Uni mit meinem Videoprojekt für die nächsten 3 Monate eingespannt.

Mist, Ferienspass also ohne mich. Oder? Nix da, das kann ich doch kombinieren! Also hab ich fix die Ferienspass-Leute angeschrieben und antelefoniert, einen Vertrag aufgesetzt, Daten ausgetauscht, auf Seminaren des Vereins das Hygienekonzept vorgestellt bekommen, hin und hergeplant zwischen Konzept und Shotliste, Kamerateam und ausgeliehenem Equipment, nebenbei noch Vorlesungen, Uni-Veranstaltungen und Nebenjob unter einen Hut gekriegt und dann war ich nach knapp anderthalb Monaten auch schon so weit.

Fünf Drehtage insgesamt haben mein Kameramann Axel Harrman und ich die verschiedenen Aspekte des Ferienspasses gefilmt. Am einen Tag gings zum Reiten, am nächsten zum Batiken und zwischen Ankunfts- und Abschlusstag haben wir unser möglichstes getan so viel vom Ferienspass einzufangen wie möglich. Nur wenig davon hat es in die Abgabe die ihr hier seht geschafft, denn meine Universität gab uns ein Limit von 10 Minuten exklusive Abspann vor. Doch wir haben unsere Liebesmüh nicht vertan, der Verein hinter dem Ferienspass bekommt alle Aufnahmen für Vereinszwecke zur Verfügung gestellt.

Und wieder durfte ich so viel Lernen:

  • SPIELZEUG. Jap, der technische Teil macht Spass. Wir durften dicke teure Filmkameras bedienen, Interviewsets aufbauen und beleuchten, mit allen Standards und Umgangsregeln wie „Achtung Licht“ zu rufen und die Kabel richtig aufzuwickeln. Hatte ich zwar schon, aber Übung macht die Meisterin
  • Ich habe alles selbst geschnitten, und vorher noch nie Premiere auch nur angefasst. Das war am Anfang ziemlich desorientierend. Immer noch lerne ich neue Shortcuts und freue mich total wenn ich mit irgendeinem Trick schneller und präziser arbeiten kann. Es macht mir sehr viel Spass zu sehen, was ich mit so einfachen Mitteln wie einer Speed Ramp oder Photoshop Brushes für Bauchbinden an cooler Wirkung erreichen kann. Ich freue mich sehr in der Zukunft die Verbindung zwischen Mittel und Wirkung durchgängig stilsicherer herstellen zu können.
  • ich habe mir zum allerersten Mal bei einem Projekt ein Team zusammengestellt. ich war sozusagen zum Ersten Mal in meinem Leben Teamleiterin. Das hat mir einiges abverlangt was Kommunikation, Organisation und Überblick anbelangte. Ausserdem war ich die person mit der Vision, und jemand der noch nie zuvor in diesem Ausmass mit Video gearbeitet hat. Das bedeutet häufig hatte ich nicht die Erfahrung um einzuschätzen was gerade technisch möglich ist, oder welche Kameraeinstellungen das gewünschte Ergebnis bringen würden. Gleichzeitig musste ich aber diejenige sein die dem umsetzenden Kameramann die Anweisungen gab. Hier herrschte also eine Diskrepanz, und ich habe auch in der Nachbearbeitung noch vieles durch Beobachtung und Reflexion dazugelernt. Unsere Vorlesungen, in denen die Dozenten viele Filme und Dokumentationen als Beispiele heranzogen und analysierten haben mir dabei sehr geholfen.
  • Durchsetzungsfähigkeit. Eigentlich habe ich sie ja, aber hier muss ich kurz mal sehr real werden: Mir wurde in meinem Leben so oft gesagt dass ich zu fordernd und herrisch sei, mein Ton sei fehl am Platz, ich sei zu direkt, zu aggressiv, zu zickig…. All die Dinge die wir in unserer Gesellschafft Autist*innen, und insbesondere den Mädchen unter ihnen sagen um sie „gesellschaftstauglicher“ und „lebensfähiger in der Welt normaler Erwachsener“ zu machen, haben mich anfangs so ziemlich zum Gegenteil dessen gemacht was mein zukünftiger Beruf von mir fordert. Ich musste über diese alte Kalkschicht aus Worten erstmal hinwegkommen. Und das war doch wohl nicht der Sinn dieser Worte oder? Die Menschen die sie sagten wollten mir eigentlich helfen, naja oder sich selbst, aber das ist eine Frage die sich meine Erzieher, Lehrer und Eltern nur selbst stellen können.
    Auf jeden Fall tut Reinemachen manchmal weh, und deswegen war dieses Projekt an Stellen der pure Stress für mich. Aber ich bin froh zu wissen dass ich mich jetzt besser von anderen abgrenzen und sagen kann was nötig ist, ohne verletzt oder verletzend zu sein. Für mich ist das ein großer Teil von Professionalität.

Alles in allem Freue ich mich sehr für ein Projekt dass ich so vollen Herzens unterstütze wie den Ferienspass ein Video produzieren konnte, das Promotion und ehrliches Reporter-Interesse miteinander vereint. Diese Schnittmenge finde ich sehr interessant und würde gerne in der Zukunft bei anderen Projekten, Unternehmen, Bewegungen und Fragestellungen ähnliches ausprobieren.

Reportage – ein GENIALES Genre

Eigentlich wollte ich zu Beginn meines Video Moduls eher ins Feld der Image Filme. Der Welt Menschen, Organisationen und Dinge zu zeigen von denen ich überzeugt bin, das ist immer noch etwas dass ich als enorm erfüllende Aufgabe sehe. Doch ich habe mittlerweile auch verstanden, dass der Grund warum ich überzeugt worden bin, zum Großteil immer guter Journalismus war. Unterhaltsam produzierter, ausbalancierter und gut recherchierter Journalismus.

Das ist das was mich am Journalismus so positiv überrascht hat. In Cross Media gibt es die journalistische Seite und die marketing Seite, und zu Anfang hatte ich mit Journalismus nicht viel am Hut. Diese Suche nach der Wahrheit hat mich eher gestresst. Aber als ich verstanden habe dass ich mit Reportagen meine eigenen paralysierenden Fragen in etwas konstruktives für diese Welt umwandeln kann, und dass das mein Job sein könnte, durch die Welt zu gehen und tolle Experten zu finden auf die man sich verlassen kann, und die Brücke und Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und dem Rest der Welt zu sein. Da erschien mir alles plötzlich ganz klar.

Was ich an Reportagen liebe, ist dass sie einen subjektiven persönlichen Angle erlauben, und dass ich damit meinen vielen Fragen nachgehen kann.

Ich fühle mich sehr dafür verantwortlich richtig zu handeln, doch häufig denke ich mir „um überhaupt zu wissen was richtig ist müsste ich für jede meiner Fragen oder Abwägungen im Alltag erstmal auf Master studieren – wie soll das funktionieren?“ 

Doch auch als Weg der Welt Dinge zu zeigen für die man Leidenschaft haben Reportagen viel Potential. Menschen können Fakten faktisch besser aufnehmen wenn es einen emotionalen Bezug zu ihnen gibt. Ausserdem erlauben mir Reportagen ehrlich zu sein und mit der Wahrheit eine bessere Beziehung zu pflegen: ich muss nicht so tun als wäre ich gleichgültig, auch wenn ich immer versuche sachlich und fair zu bleiben und die Dinge aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten will. Echte und perfekte Objektivität bleibt uns Menschen wohl verwehrt, doch das Nächstbeste ist es meiner Meinung nach, sich seiner Subjektivität bewusst zu sein und auch ihr reflektiert zu begegnen.

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